Runen

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Angelsächsische Runenreihe (f u þ o r k ...) auf einem in der Themse gefundenen Sax. Am Schluss steht der Name des Runenmeisters Beagnoþ.

Übersicht über die Runen im allgemeinen.

Bedeutung der Runen

Schriftsystem

Man unterscheidet allgemein ein Älteres und ein Jüngeres Futhark. Das Ältere Futhark kennt 24 Runen-Stäbe (vgl. Stab), wobei es auch andere Alphabete mit 23 bis 28 Stäben gab. Das Angelsächsische und Friesische kannte sogar 33 Stäbe. Im 7. Jahrhundert u.Z. entwickelte sich aus dem Älteren das Jüngere Futhark, auch Nordisches Futhark genannt, das aus 16 Stäben bestand.

Magische Bedeutung

Runen spielten nicht nur beim Weissagen eine große Rolle. Sie wurden bei vielen Gelegenheiten verwendet um göttlichen Beistand für bestimmte Vorhaben zu erlangen. Das richtige Ritzen der Runen jedoch war eine Kunst, die nicht viele beherrschten. Falsch angebrachte Runen blieben wirkungslos. Es gab Männer mit großer Erfahrung im Umgang mit Runen, die sich Runenmeister nannten. Sie genossen hohes Ansehen und wurden in schwierigen Fällen zu Rate gezogen. Heute sind uns noch drei alte Runengedichte bekannt in denen der Sinn der einzelnen Runen erläutert wird.

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus schrieb in der Germania:

Auf Wahrzeichen und Losen achten sie so sehr als nur irgend ein Volk. Beim Losen halten sie es einfach. Von einem Fruchtbaum hauen sie einen Zweig ab, zerschneiden ihn in Reiser, unterscheiden diese durch gewisse Zeichen voneinander und streuen sie dann über ein weißes Tuch hin ohne Plan und nach bloßem Zufall. Sodann spricht, wenn sich die Befragung auf öffentliche Angelegenheiten bezieht, der Priester der Gemeinde, wenn auf persönliche, der Hausvater selbst ein Gebet zu den Göttern, richtet seinen Blick zum Himmel empor, hebt dreimal je eines auf und gibt dann entsprechend dem vorher darauf eingedrückten Zeichen die Deutung. Ist ihre Antwort abschlägig, findet für diesen Tag keine Befragung über den gleichen Gegenstand mehr statt; ist sie zustimmend, wird noch überdies die Bestätigung der Vorzeichen erfordert. Auch ist es jedenfalls hier bekannt, das Geschrei und den Flug der Vögel zu befragen;...

Mythologie

Die ältere Edda berichtet davon, wie die Runen dem Gott Odin in einer Vision erschienen sind (Simrock Übersetzung, Des Hohen Lied, Verse 138- 145):

Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum Neun lange Nächte, Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, Mir selber ich selbst, Am Ast des Baums, dem man nicht ansehn kann Aus welcher Wurzel er sproß. Sie boten mir nicht Brot noch Met; Da neigt ich mich nieder Auf Runen sinnend, lernte sie seufzend: Endlich fiel ich zur Erde. Bölthorns, des Vaters Bestlas, Und trank einen Trunk des teuern Mets Aus Odhrörir geschöpft. Zu gedeihen begann ich und begann zu denken, Wuchs und fühlte mich wohl. Wort aus dem Wort verlieh mir das Wort, Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk. Runen wirst du finden und Ratstäbe, Sehr starke Stäbe, Sehr mächtige Stäbe. Erzredner ersann sie, Götter schufen sie, Sie ritzte der hehrste der Herrscher. Odin den Riesen, den Alfen Dain, Dwalin den Zwergen, Alswid aber den Riesen; einige schnitt ich selbst. Weißt du zu ritzen? Weißt du zu erraten? Weißt du zu finden? Weißt zu erforschen? Weißt du zu bitten? Weißt Opfer zu bieten? Weißt du wie man senden, weißt wie man tilgen soll? Besser nicht gebeten, als zu viel geboten: Die Gabe will stets Vergeltung. Besser nichts gesendet, als zu viel getilgt; So ritzt es Thundr zur Richtschnur den Völkern. Dahin entwich er, von wannen er ausging.

Hierbei wird beschrieben, dass Odin an Yggdrasil, dem Weltenbaum hing. Wärend er sich 9 Tage lang selbst opferte, erschienen ihm nach und nach die Runen. Danach berichtet Odin, welche Wirkung dieses Eriegnis auf ihn hatte. Am Ende werden allgemeine Ratschläge zu den Runen gegeben.

Die Runen im einzelnen

Erstes Aett
Zweites Aett
Drittes Aett
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FEHU : Vieh

Phonetisch F

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HAGALAZ: Hagel

Phonetisch: H

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TEIWAZ: Tyr

Phonetisch: T

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URUZ: Auerochse

Phonetisch U

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NAUTHIZ: Notwendigkeit, Bedarf

Phonetisch: N

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BERKANA: Birke

Phonetisch: B

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THURISAZ: Riese

Phonetisch TH

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ISA: Eis

Phonetisch: I

Ehwaz.gif

EHWAZ: Pferd

Phonetisch: E

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ANSUZ: Odin

Phonetisch A

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JERA: Jahr, Ernte.

Phonetisch: J

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MANNAZ: Mann, Menschen

Phonetisch: M

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RAIDO: Reise

Phonetisch E

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EIHWAZ: Eibe

Phonetisch: EI

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LAGUZ: Wasser

Phonetisch: L

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KENAZ: Fackel, Kerze

Phonetisch R

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Perth: Würfelbecher, Vulva, Gefäß

Phonetisch: P

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INGUZ: Ing (Freyr)

Phonetisch: NG

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GEBO: Geschenk

Phonetisch: G

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ALGIZ: Schutz

Phonetisch: X,Z

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DAGAZ: Tag

Phonetisch: D (gesprochen wie ein th im Englischen)

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WUNJO: Erfolg

Phonetisch: W

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SOWULO: Sonne

Phonetisch: S

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OTHALA: Besitz

Phonetisch: O


Links

Der Artikel und die Einteilung der Runen basiert auf dem Artikel von Alex Jahnke: Eine Reise durch das Futhark

Das Zitat aus der dem Teil Mytologie entstammt der Online- Simrock Edda von Thomas Nesges : Die Simrock Edda

Das Zitat von Tacius entstammt der Seite Gottwein.de über die Germania: Germania

Literatur

  • Düwel, Klaus : "Runenkunde" Dieses Buch schafft eine wichtige Voraussetzung zur Lesung und Deutung von Runendenkmälern und gibt eine Übersicht über die Inschriften des 3. nachristlichen Jahrhunderts bis ins späte Mittelalter. Wissenschaftlich fundiert und frei von esoterischen Deutungen.
  • Philipson, Ernst A. "Runenforschung und germanische Religionsgeschichte" 1938