VfGH

VfGH e.V.
Datei:Irminsul t.gif
Vereinsdaten
Gründungsjahr: 1995
Text: vormals Odinic Rite Deutschland e.V.
Vereinsvorsitz: Olaf Peckmann
Stellvertreter: I. Heyer, J. Kalkhof
Internet: www.vfgh.de

Der Verein für Germanisches Heidentum (VfGH) sieht seine Aufgabe darin, abseits neuzeitlicher Deutungen auf der Basis der authentischen Überlieferung und der Ergebnisse seriöser historischer Forschung die traditionelle Religion des germanischen Heidentums in einer für die Gegenwart und Zukunft tauglichen Form wiederzubeleben (Rekonstruktionismus).

Der VfGH wurde als Odinic Rite Deutschland e.V. im März 1995 in Köln gegründet und beim dortigen Amtsgericht eingetragen. Der Wechsel zum jetzigen Vereinsnamen wurde auf dem Thing 2006 mit einstimmigem Votum beschlossen.


Symbole

Als sein offizielles Symbol hat der Verein für Germanisches Heidentum die Irminsul („erhabene Säule“) gewählt. Sie war Kultsäule im Stammesheiligtum der Sachsen nahe der Eresburg in Westfalen, das Karl „der Große“ 772 zerstören ließ. Die genaue Lage der Burg und des Heiligtums ist umstritten, oft wird aber angenommen, dass die Irminsul vor oder auf den Externsteinen bei Horn-Bad Meinberg im Teutoburger Wald stand, in die im 12. Jahrhundert ein christliches Relief geschlagen wurde, das unter anderem ein geknickten Baum mit nach links und rechts geschwungenen Ästen zeigt. Dieser Baum im byzantinisch-romanischen Stil nur schematisch dargestellt, wurde im vorigen Jahrhundert als von Christen „geknickte“ Irminsul gedeutet und bildete die Vorlage für das jochartige Irminsul-Symbol, das seither in heidnischen und neuheidnischen Kreisen verbreitet ist.

Diese Deutung ist schlecht begründet und das Symbol wurde und wird auch missbräuchlich verwendet, doch es ist praktisch jedem, der sich mit dem germanischen Heidentum beschäftigt als „die Irminsul“ bekannt und wird in der Regel ohne falsche Nebenbedeutungen als Verweis auf die historische sächsische Kultsäule verstanden. Der VfGH legt auch Wert darauf, dass es ausschließlich in diesem Sinn verstanden wird. Er verwendet es zu Ehren des letzten freien Heidenstammes auf deutschem Boden und verbindet es natürlich auch mit dem religiösen Sinn, den die historische Irminsul hatte: Als columna quasi sustinens omnia (Säule, die gleichsam alles stützt), wie sie der Chronist Rudolf von Fulda nennt, steht sie für den Weltenbaum Yggdrasil, der alle Bereiche des Seins als lebendiger Organismus vereinigt. Diese Bereiche, die neuen Welten der Edda, werden durch die neuen Bänder dargestellt, die in der VfGH-Version des Irminsul-Symbols in der Krone, an den Wurzeln und in der Mitte des Stammes verlaufen.[1]

Als weiteres Symbol, das er aber mit allen germanischen Heidengruppen teilt, verwendet der VfGH den Thorshammer, der ursprünglich ein Amulett für den Schutz durch Thor ist. Bereits in der Wikingerzeit wurde er aber darüber hinaus als Antwort auf die Kreuz-Anhänger der Christen von den Heiden auch als Zeichen ihrer Treue zu den Göttern getragen und ist daher auch ein Symbol für das germanische Heidentum an sich.[2]

Aufbau

Der VfGH ist als Gesamtverband organisiert, in dem alle Mitglieder die gleichen Möglichkeiten haben, direkt an den Entscheidungen mitzuwirken. Dies geschieht im jährlichen Bundesthing aller Mitglieder, gegebenenfalls durch ein außerordentliches Thing, wenn mindestens ein Viertel der Mitglieder es verlangt, und durch laufende persönliche Kontakte.


Vorstand

Das Bundesthing wählt für jeweils drei Jahre einen Vorstand, der aus mindestens drei Personen besteht und insgesamt neun nach Sachaufgaben definierte Ämter zu erfüllen hat. Hinzu kommen als Kontrollorgan zwei Kassenprüfer. Alle diese Ämter sind ehrenamtlich.

  • Der erste Vorsitzende ist verantwortlich für die organisatorische Gesamtleitung und trägt den aus dem Althochdeutschen stammenden Titel Esago ("Sprecher der êwa" - das ahd. Wort êwa bedeutet "Recht, Vertrag" und im religiösen Zusammenhang "rituelles Gesetz, Religion").
  • Der zweite Vorsitzende ist für das Ritualwesen verantwortlich und trägt den Titel Ewart ("Wart der êwa").
  • Der Gemeinschaftswart als dritter Vorsitzender ist für die Finanzen verantwortlich.


Herde und Gruppen

Der Herd knüpft an die alte Tradition an, nach der man sich am Herdfeuer versammelte, um gemeinsame Angelegenheiten zu besprechen und die religiösen Feste zu feiern. Die Herde im VfGH sind kleine, lokale Gemeinschaften mit mindestens drei Personen, die nicht alle auch Mitglieder des VfGH sein müssen. Der Leiter, Herdwart genannt, sollte aber Schwurmann sein. Dadurch erhält der Herd das Recht, eigenständige Projekte auch im Namen des VfGH durchzuführen, ohne dass sie der Vorstand eigens genehmigen muss. Der Herdwart garantiert dafür, dass alles seine Richtigkeit hat.


Gilden

Größere Unterorganisationen des VfGH heißen Gilden. Sie werden von einem Gildenwart geleitet, der Schwurmann sein muss, und wählen außerdem einen Schatzwart und einen Blótmann bzw. eine Blótfrau. Es gibt drei Arten von Gilden:

Die Landgilden sind die regionalen Unterorganisationen des VfGH. Alle Gruppen und Herde sowie auch Einzelpersonen, die in einem bestimmten geografischen Raum leben, sind automatisch auch Mitglieder der zuständigen Landgilde, deren Hauptaufgabe darin besteht, die Kultfeste zu organisieren und nach Möglichkeit einen eigenen Kultplatz zu erwerben und zu betreuen. Ihr Wirkungsbereich deckt sich nicht mit den staatlichen Verwaltungsgrenzen, etwa Bundesländern oder Landkreisen, sondern wird nach Bedarf festgelegt.

Die Blótgilden sind davon unabhängige überregionale Zusammenschlüsse, die sich der besonderen Verehrung bestimmter Gottheiten verschrieben haben, also etwa eine Thorsgilde, eine Freyr-Gilde oder eine Gilde der Disen. Sie halten über die Jahresfeste hinaus besondere Blóts für "ihre" Gottheiten ab und können ihnen zu Ehren bei den Gemeinschaftsfesten mit besonderen Anrufungen und Ähnlichem hervortreten.

Schließlich gibt es Sachgilden, die sich überregional besonderen selbstgestellten Aufgaben widmen. Das können nicht nur direkt mit der religiösen Traditionen verbundene Bereiche wie etwa bei einer Runengilde sein, die sich der Erforschung der Runen widmet und Experten für ihre Anwendung ausbildet, sondern alle Aufgaben, die nicht im Widerspruch zu den Zielen des VfGH stehen - also etwa auch eine Computergilde, in der sich heidnische Spezialisten für Informationstechnologie treffen und ihr Wissen für heidnische Ziele nutzen.

Mitgliedschaft

Wer beitreten will, wird zunächst Anwärter und hat so Gelegenheit, sich in Ruhe zu informieren und die Gemeinschaft des VfGH unverbindlich kennen zu lernen. Anwärter haben die gleichen Rechte wie Vollmitglieder.

Frühestens nach einem Jahr folgt - nach der schriftlichen Bestätigung, dass Satzung, religiöse Grundlagen und inhaltliches Selbstverständnis verstanden wurde – die Vollmitgliedschaft. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass sich Anwärter zu nichts verpflichtet fühlen müssen.

Vollmitglieder, die sich durch einen Eid an die Götter binden wollen, können dies auch im VfGH. Nach dem Sprachgebrauch der altgermanischen Gefolgschaften heißen diese Mitglieder Schwurmannen. Einzelne heißen Schwurmann bzw. Schwurfrau. In einer religiösen Zeremonie schwören sie, den Göttern Gefolgschaft zu leisten und dem germanischen Heidentum treu zu bleiben, binden sich aber nicht an den VfGH und/oder seine Führung.


Regionale Ansprechpartner

  • Baden-Württemberg: Elfriede Lack / Swanhildja - svanhildja@vfgh.de
  • Bayern: Haimo Grebenstein / Highmoe, VfGH - highmoe@vfgh.de
  • Niedersachsen: Olaf Peckmann / Olaf - vfgh-nds@vfgh.de
  • Norden (Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein): Ingmar Heyer / Yngmar, VfGH - hammaburg.herd@vfgh.de
  • Nordrhein-Westfalen: derzeit nicht besetzt - vfgh-nrw@vfgh.de
  • Osten (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen): Thilo Kabus / Thilo, VfGH - vfgh-berlin@vfgh.de


  • Österreich & Schweiz:
    • Fritz Steinbock / Asfrid, VfGH - asfrid@vfgh.de
    • Till Grohmann / Eulenspiegel - eulenspiegel@vfgh.de

Internetlinks

Einzelnachweise

  1. Fritz Steinbock – Das heilige Fest. 2te überarbeitete Auflage 2008, s. 210
  2. Fritz Steinbock – Das heilige Fest. 2te überarbeitete Auflage 2008, s. 211